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Gedanken baumeln

Frei wie der Wind und dennoch greifbar

Anekdoten, Geschichten und Gedanken. Gesammelt und festgehalten – schwarz auf weiß. Was uns prägt und zu dem macht, was wir sind.

Eintrag 1

Warum mein Urgroßvater sein Herz an
die "Riviera der Alpen" verloren hat.

Vor 4 Generationen oder im Jahre 1954 entschied mein Urgroßvater, Franz Wenter, ein Hotel in Jenesien zu eröffnen. „Warum wohl gerade hier?“, frage ich mich oft, waren doch weder er selbst, noch seine Gattin aus der näheren Umgebung. Sein Herz konnte er auch kaum „im Vorbeigehen“ an diesen Platz verloren haben, denn es gab keine Straße, die zum Dorf führte (diese wurde erst 1964 gebaut). Die einzige Verbindung war die Schwebebahn von Bozen. Und so stelle ich mir vor, wie er in die Seilbahn gestiegen ist und im Hochfahren, vielleicht um den Schwindel zu bekämpfen, die Berge der Dolomitenkette gezählt hat. Ob er diese wild-majestätische Pracht zuvor jemals in Ihrer Gesamtheit begutachten konnte? Vielleicht war es auch die Abgeschiedenheit des kleinen Bergdorfs auf 1.100 Metern oder die klare Luft, von der er später schreiben sollte, dass sie danke des „rivieraähnlichen milden Klimas schon vielen Asthmaleidenden Milderung brachte, die ihr Glück vorher vergeblich in bekannten Kurorten gesucht hatten“. Spätestens an dieser Stelle müssen wir wohl beide schmunzeln. Aber seine Vision ist ihm nicht abzusprechen. Und so hat er vor über 60 Jahren in einem Dorf ohne Straße sein Hotel eröffnet und es passenderweise „Sonnenparadies“ genannt. Seine Liebe für diesen Beruf hat er auch den nächsten 3 Generationen vermittelt, die ihre eigenen Wurzeln in dieses Paradies geschlagen haben und so entstanden schließlich das „Hotel König Laurin“ und der „Gasthof Tschögglbergerhof“.

 

Vielleicht war unser Schmunzeln über meinen Urgroßvater sogar etwas verfrüht. Denn wie bei jeder guten Geschichte schließt sich am Ende der Kreis: Die gesundheitsfördernde Luft der Höhenlage wurde mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen (AMAS Höhenstudie 2000), die Seilbahn wird im Jahre 2020 neueröffnet und soll wieder ihren Platz als Hauptverbindungsmittel mit Bozen einnehmen. Und wir? Darüber berichten wir in unserem nächsten Brief.

Eintrag 2

In jedem familiengeführten Unternehmen stellt sich irgendwann die Frage der Übernahme: Will wer? Kann wer? Soll wer? Und wenn der, der soll auch kann, will er dann auch? So in etwa auch bei uns.

Oma Traudl beraubt die sieben vor Ihrer Jahreszahl zwar jeglichen Orientierungsgehaltes, aber auch sie kann den Wunsch, Verantwortung abzugeben, nicht vollkommen leugnen. Vielleicht an Ihre Tochter Hedwig, deren Repertoire an flotten Sprüchen nur von der Anzahl an Identitäten, die sich in ihr Leben drängen, übertroffen wird: von der Grundschullehrerin zur Yogalehrerin, von der Gewerkschafterin zur Unternehmerin, von der Öko-Mutti zur Sommelière. Ein Widerspruch? Keineswegs, das bestätigen bereits die ersten Sätze, die man mit ihr wechselt. Aber ob sie dazu noch eine weitere Identität als Gastwirtin gesellen möchte? Dann ist da noch Nadja, Hedwig’s ältere Tochter. Ausgiebig hat sie die Unbeschwertheit langer Studentenjahre an der sonnigen Küste Portugals (sehr gerne) und an der klirrend-kalten kanadischen Grenze (weniger gerne) verbracht und sich schließlich und erst vor Kurzem in Dublin niedergelassen. Ob sie schon wieder ihr Leben zusammenpacken und neu organisieren möchte?

Wenn es nun nicht einen Absatz gäbe, der mit „dann war da noch Claudia ... “ beginnt, wäre dieser Text hiermit zu Ende. Aber: dann war da noch Claudia. Und Claudia spürt, anders als die Meisten Ihrer Altersgenossen, aber eigentlich generell die Meisten von uns, eine starke Berufung in sich. Sie hat sich niemals zwischen verschiedenen illusionären Berufsaussichten, von Astronaut zu Zahnarzt, zerrieben. Claudia weiß was sie will. Sie will lieber mit Menschen arbeiten, die im Urlaub sind, als deren gestresstes Pendant im Alltag zu ertragen. Sie kann stundenlang nach dem perfekten Tellerporzellan suchen, weiß, ohne mit der Wimper zu zucken, mindestens 3 verschiedene Sardellenarten aufzuzählen und begeistert sich wirklich, als einzig mir bekanntes Lebewesen, an einer Diskussion über die Vorzüge von Bettlaken versus Spannlaken. Kurz: sie hat ein handfestes Interesse daran, das Hotel zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Und mit dem einzigartigen Charme und Überredungskunst eines Nesthäkchens holt sie sich auch Hedwig und Nadja mit ins Boot. Beide unter der Prämisse, dass man die gemeinsame Unternehmung einem Zweck widmet, der dem Allgemeinwohl dient, denn Geld oder Erfolg alleine hätte niemanden über den Ärmelkanal bzw. von der Yogamatte geholt. Und so versuchten die drei Charakterköpfe, einen Unternehmenszweck auszuwählen, für den sie alle so stark brennen, dass sie ihm ihr Leben widmen möchten.

Herz und Nieren dieser Sinnsuche war ein kurzer Fragebogen, der in seiner Essenz auf folgende 3 Fragen reduziert werden kann:

  1. Wenn ich Enkel hätte, würde ich ihnen folgende 2 Tipps ans Herz legen.
  2. Ich bedauere, dass __________________ in meinem Alltag zu kurz kommt.
  3. _____________________________ sorgt mich am Meisten in meinem Alltag.

 

Versucht euch selbst an diesen Fragen, ich garantiere, sie bringen euch Eurem Wesen erstaunlich nahe.

Wie wir selbst aus diesen Antworten unseren Unternehmenszweck gefiltert haben, erzähle ich euch im nächsten Brief.

 

Eintrag 3

Natur leben, weil wir Natur sind. Wie das Saltus zum Eco Hotel wurde.

Der Wunsch, wieder zu lernen nichts zu tun, wird laut Umfragen von 40% der Urlauber geäußert. 37% fahren in den Urlaub, um Stress abzubauen. Die Hälfte dieser Urlauber wünschen sich das Erlernen von Techniken zum aktiven Entspannen, jeder Fünfte Trainings zum Thema Achtsamkeit. (Quelle: marketmind 2015, Reiseanalyse 2015, im IDM Grundlagenpapier „Entspannen und Wohlfühlen“)

“Wir wünschen uns einen Unternehmenszweck, der auch dem Allgemeinwohl dient”, war uns schnell klar als wir angefangen haben, als Familie einen gemeinsamen beruflichen Weg zu gehen. Unser Wunsch ist es, unseren Gästen und uns selbst zu ermöglichen, zur Ruhe zu kommen, zu entstressen. Wir sind überzeugt, dass kein Weg dahin an der Natur vorbei gehen kann. Zahlreiche Untersuchungen haben die heilende Wirkung, die Natur auf uns hat, mittlerweile auch bewiesen. Roger Ulrichs z.B. hat bereits 1984 die gesundheitsfördernde Wirkung der „Sicht ins Grüne” vom Krankenzimmer aus untersucht. Er konnte nachweisen, dass Patienten deutlich geringere Dosen an Schmerzmittel benötigten und einen kürzeren Heilungsprozess aufwiesen, wenn ihr Krankenzimmer Aussicht auf einen Baum oder Park bot. Japanische Forscher haben nachgewiesen, dass bereits ein 3-stündiger Waldaufenthalt die Killerzellen im Körper (sein Abwehr- bzw. Immunsystem) um 40% erhöht - mit nachhaltiger Wirkung! Es gäbe noch zahlreiche Studien, die es wert sind zitiert zu werden, aber uns geht es hier nur um folgenden Punkt: Natur tut gut. Und weil dem so ist, müssen wir sie schützen, schon aus reinem Egoismus.

Deshalb ist das Saltus ist ein Eco-Hotel. Wir liegen direkt am Waldrand, vor uns das UNESCO Welterbe Dolomiten, im Rücken der mystische Salten, da kann man nicht anders als diese Naturgewalt bewahren zu wollen. Wir, die in unserer Mini-Welt im Saltus leben glauben daran, dass Urlaub und Genuss nicht auf Kosten der Umwelt gehen muss. Angefangen von der von uns empfohlenen Anreise mit dem Zug (wofür man im Hotel mit 5% Rabatt belohnt wird, kostenlos vom Bahnhof abgeholt und vor Ort gratis Zugang zu alle Öfis erhält), über die natürlichen Baumaterialien (der rote Porphyrstein des Aushubs wird z.B. im Schwimmbad als Boden verlegt, unsere Zimmer haben Kalk- und Lehmböden, Bienenwachsversiegelung etc.) bis hin zum täglichen Ablauf im Hotel (kein Einweg-Plastik, Regenwassertonnen, die das Schwimmbad speisen, vegane Alternativmenüs etc.).

Das muss aber nicht auf Kosten der Ästhetik gehen. Im Gegenteil: eine Aufgabe an unsere Architekten war es, mit dem Gebäude einen Rahmen für das Kunstwerk Natur zu schaffen. Und so haben sie z.B. unsere Spa Anlage tief in den Fichtenwald gestellt, die Pools im Glaskubus auf dem höchsten Punkt – direkt auf Augenhöhe mit den Dolomiten.

Wir denken, dass der Umweltschutz nur durch intrinsische Motivation erfolgen kann und daher kümmern wir uns darum, Naturliebhaber zu gewinnen, die dann ganz von selbst zum Naturschützer zu werden.